Luftraum für Boeing 737 MAX 8 gesperrt

Update 27.03.2019

Am 26.03.2019 sollte eine Maschine der Baureihe Boeing 737 MAX 8 von Orlando in den USA in ein Lagerareal in Kalifornien überführt werden. Da die Flugzeuge nicht mehr starten dürfen, sollte es für weitere Untersuchungen zum Lagergelände geflogen werden.
Kurz nachdem das Flugzeug startete, meldete der Pilot Schwierigkeiten und musste aufgrund von Triebwerksproblemen umkehren und wieder in Orlando landen.
An Bord befanden sich nur Crew-Mitglieder, keine Passagiere, der Pilot konnte wieder sicher in Orlando landen.

Update 25.03.2019: neues System-Upgrade für die Problem-Maschine 

Der US-Flugzeugbauer Boeing muss sich im Moment großen Herausforderungen und Problemen stellen. Als erste Reaktion auf die zwei verunglückten Boeing 737 MAX 8 Maschinen wurde nun ein Update für das problematische MCAS-System entwickelt. Dieses wird augenblicklich von Piloten im Simulator getestet. Dies lässt sich als Indikator sehen, dass das neue Software Upgrade einsatzfähig ist. Jedoch müssen die Systemänderungen erst von der FAA, der amerikanischen Luftfahrtbehörde abgesegnet werden.

Im folgenden Video wird das MCAS-System anschaulich erklärt.

Quelle: YouTube

Laut den Luftfahrtbehörden wird das Grounding der Boeing 737 MAX 8 Maschinen wahrscheinlich noch bis mindestens April andauern, so lange wie die Untersuchungen und die Überarbeitungen der neuen Software noch fortlaufen.

Während hierzulande die Airlines Druck machen, dass die Flugzeuge aus Profitgründen wieder starten müssen, Entschädigungen fordern bzw. Deals mit Boeing anzweifeln, fühlen sich die Angehörigen, des Absturzes in Äthiopien im Regen stehen gelassen. Sie hätten nach dem Absturz am 10. März nicht genügend Informationen erhalten und viele Fragen sind trotz der arrangierten Call-Center offen geblieben.

 

Update 18.03.2019

Nach dem schrecklichen Absturz einer Boeing 737 in Äthiopien am 10. März wurden nun die Daten der Blackbox ausgewertet. Erste Analysen zeigen, dass es “eindeutige Ähnlichkeiten” zwischen den aktuellen Flugdaten und denen des Absturzes im vergangenen Oktober in Indonesien gibt. Weitere Untersuchungen sollen nun bei der Luftfahrtbehörde in Frankreich stattfinden. Flugschreiber zeichnen sowohl alle Flugdaten, sowie den Sprechfunk im Cockpit während des Fluges auf, die Daten sind somit essentiell, um die genauen Absturz Ursachen zu ermitteln.
Beide Fälle zeigen Phasen von abwechselndem Sinken und Steigen des Flugzeuges, was darauf schließen lässt, dass der Pilot versuchte, das Flugzeug hochzuziehen. Schwankungen kommen auch bei normalen Flügen vor, jedoch ist die Regelmäßigkeit ein Indiz für Rückschlüsse auf das verbaute Maneuvering Characteristic Augmentation System (MCAS). Die problematische Software war anscheinend bereits für den Absturz im Oktober 2018 mitverantwortlich. Eigentlich soll es einen Strömungsabriss verhindern, das MCAS arbeitet aber nur mit einem Sensor, was es sehr störanfällig macht. Sollte der Sensor falsche Daten erfassen, werden diese fehlerhaft weitergeleitet und die Nase des Flugzeuges wird nach unten gedrückt. Dieses Szenario soll in beiden Abstürzen eingetreten sein. 

Der Absturz könnte sich zum größten juristischen Schadensfall in der Luftfahrtgeschichte entwickeln. Es wird von mehreren Milliarden gesprochen, für die Boeing als Schadensersatz für Hinterbliebene und als Kompensationszahlungen an die Airlines aufkommen muss.

 

Update 14.03.2019

Seit gestern Abend gilt das Flugverbot für die Boeing 737 MAX 8 nun auch in den USA und in Kanada. Die beiden Staaten mussten sich dem Druck beugen, vor allem nach der geäußerten Kritik an an Flugzeugen seitens der Piloten. US Präsident Trump kündigte das Start- und Landeverbot persönlich an und auch der kanadische Verkehrsminister forderte, dass die Maschinen am Boden bleiben. 

 

13. März 2019

Nach dem bereits zweiten Absturz einer Boeing 737 MAX 8 innerhalb weniger Monate reagierten viele Länder nun mit Start- und Landeverboten für Flugzeuge der selben Baureihe. Europa, Asien, Australien, Indien und Neuseeland haben ihren Luftraum für den Jet gesperrt - nur in den USA fliegt die Maschine weiterhin.

Am Sonntag den 10. März 2019 kam es zu einem schrecklichen Flugzeugabsturz in Äthiopien, bei dem 157 Menschen ums Leben kamen. Besonders bedauerlich ist, dass es sich hierbei bereits um den zweiten Absturz einer solchen Maschine innerhalb von fünf Monaten handelt. Im Oktober 2018 stürzte eine Boeing 737 MAX 8 in Indonesien ab, hierbei starben 189 Menschen auf tragische Weise.
Nicht nur bei dem Flugzeugtyp handelt es sich in beiden Fällen um dieselbe Baureihe, auch die Umstände der Abstürze ähneln sich. Beide Male berichteten die Piloten kurz nach dem Start von Schwierigkeiten und stürzten wenige Minuten danach in den Tod.

Die Luftfahrtbranche reagiert nun mit Sperrungen des Luftraumes für die Boeing 737 MAX 8. Als erstes reagierte China und verhängte ein Startverbot des Flugzeugtypen. Einen Tag später folgten Großteile Europas mit Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Mittlerweile muss der Jet im gesamten europäischen Luftraum, Indien, Australien, Neuseeland und weiten Teilen Asiens auf dem Boden bleiben.

Dass die Ursachen des Absturzes vom 10. März noch ungeklärt sind, beunruhigt die meisten Airlines. Nur in den USA und in Kanada darf die Maschine weiter fliegen, jedoch gegen den Willen der Gewerkschaften. Die APFA (Vereinigung der Professionellen Flugbegleiter) und die Gewerkschaft der Transportarbeiter (TWU) fordern ebenfalls ein Startverbot für die Boeing Maschine. American Airlines und Southwest Airlines sehen bisher keinen Anlass für ein Flugverbot, da die Umstände noch nicht bekannt sind. Laut US-Luftfahrtbehörde FAA bestehe soweit kein Grund für eine Sperrung des Luftraumes, da die Überprüfungen des Flugzeuges bisher “keine systemischen Leistungsprobleme” ergeben hätten.
Die Gewerkschaften in den USA wollen sich jedoch nicht zwingen lassen, zu fliegen. “Menschen müssen über Profite gestellt werden.” fordert APFA-Präsidentin Lori Bassani, Sicherheit von Crew und Passagieren habe Priorität.

Boeing 737 MAX 8 gefährlich?

Als potentieller Faktor, der für die Abstürze mitverantwortlich sein könnte, gilt ein System, dass in den Boeing Maschinen verbaut ist. Es handelt sich hierbei um Sensoren, die beim Steigflug helfen und somit einen Strömungsabriss verhindern sollen. Dadurch soll das Flugzeug nicht nach unten umkehren können.
Dieses System wurde schon beim Absturz der indonesischen Lion Air Maschine im Oktober 2018 als kritisch angesehen. Nach dem Absturz wurden Airlines vom US-Flugzeugbauer Boeing angewiesen, das System beim Start auszuschalten.

Bis jetzt hält sich Boeing eher bedeckt zur aktuellen Tragödie. Airlines hoffen auf weitere Informationen, welche jedoch zu diesem Zeitpunkt erst einmal aufgearbeitet werden müssen. Im Minutentakt werden bei modernen Flugzeugen Informationen zum Zustand der Maschine, an Hersteller und Airline geleitet. Diese Unmengen an Daten müssen nun ausgewertet werden, um Antworten zu erhalten.

Bereits vor dem Absturz der Ethiopian Airlines Maschine äußerten einige US-Piloten Bedenken bezüglich der Boeing 737 MAX 8. Sie reichten vor allem Beschwerden auf Grund des Autopiloten des Flugzeuges ein, welcher nicht hinreichend im Bordhandbuch beschrieben sei und Probleme bereite.
Die Beschwerde eines Piloten ist besonders besorgniserregend. Er bezog sich vor allem auf das MCAS-System (Maneuvering Characteristics Augmentation System), dieses sei auch nicht ausreichend im Bordhandbuch erklärt und allgemein seien die Systeme an Bord zu kompliziert, als dass sie ohne zusätzliche Trainings von den Piloten richtig bedient werden können. Er halte es für unvernünftig, dass die Piloten im Moment mehr nach dem Prinzip “learning by doing” fliegen zu scheinen.

Desaster für US-Flugzeugbauer Boeing

Boeing erlebt gerade ein böses Déjà-vu. Bereits im Jahr 2013 wurde ein dreimonatiges Flugverbot für die Boeing 787, den “Dreamliner”, verhängt. Die Maschinen durften damals wegen der sich selbst entzündenden Lithium-Ionen-Akkus, die an Bord verbaut waren, nicht mehr abheben.

Nun ist die Boeing 737 MAX 8 in den bereits zweiten Absturz innerhalb von 5 Monaten verwickelt. Das Image des US-Konzern ist eindeutig angeschlagen, Aufträge im Milliarden Bereich für ca. 5000 georderte Maschinen des Verkaufsschlagers Boeing 737 MAX 8 geraten ins Wanken. Großkunde Lion Air hat bereits die Auslieferung von vier Maschinen, des besagten Flugzeugtypen gestoppt. Die indonesische Airline erwägt schon seit längerem einen Wechsel zum Konkurrenten Airbus. Grund hierfür ist für Lion Air vor allem das unzureichende Krisenmanagement Boeings nach dem tragischen Absturz am 29.10.2018.

Auch die Aktie von Boeing verlor gestern in der Spitze bereits fast 13%. Es bleibt abzuwarten, wie das Krisenmanagement des Flugzeugbauers diesmal aussehen wird.

Auswirkungen für den deutschen Luftraum

Auch wenn viele Passagiere von dem Flugverbot betroffen werden sein, halten sich die Auswirkungen für Deutschland eher in Grenzen. Vor allem trifft es Passagiere der Airlines Norwegian Air, Icelandair und LOT, die mit den Boeing 737 MAX 8 Maschinen zwischen Deutschland und Skandinavien fliegen. Turkish Airlines setzt die Maschine viel auf Flügen nach Istanbul ein. TUIfly plante den Flugzeugtyp hauptsächlich für Flüge auf die Kanaren ein, jedoch erst ab April, ob diese Pläne noch umgesetzt werden, ist unsicher. Die Airline ließ die Flugzeuge zunächst weiter fliegen, beugte sich jedoch anschließend dem Druck und erteilte ebenfalls ein Startverbot.
Andere Airlines in Deutschland setzen die Boeing Maschine gar nicht oder nur sehr sporadisch ein.

Sollte Ihr Flug betroffen sein, haben Sie auf Grund von außergewöhnlichen Umständen keinen Anspruch auf Entschädigung. Die Airlines sind jedoch dazu verpflichtet, Ersatzflüge anzubieten und müssen für Hotel, Transport und Verpflegung im Rahmen der EU-Verordnung 261/2004 aufkommen, falls Sie irgendwo in Europa gestrandet sein sollten.